Das Iranians Wisdom House in Wien – Eine neue Erfahrung kultureller Diplomatie und des Dialogs zwischen Iran und Europa
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Das Iranians Wisdom House in Wien – Eine neue Erfahrung kultureller Diplomatie und des Dialogs zwischen Iran und Europa
Die Kulturvertretung der Islamischen Republik Iran in Österreich und ihre wissenschaftliche Einrichtung, das Iranians Wisdom House in Wien, haben in den vergangenen mehr als zwei Jahren eine besondere Form kultureller Arbeit in Europa entwickelt. Im Mittelpunkt steht ein Verständnis von Kultur nicht nur als Vermittlung von Werken, Traditionen und Symbolen, sondern als gemeinsame Sprache des Dialogs, des Denkens und der gegenseitigen Verständigung zwischen Menschen und Zivilisationen.
Das Iranians Wisdom House versteht sich als ein Ort des Dialogs, des intellektuellen Austauschs sowie der wissenschaftlichen und philosophischen Diskussion. Sein Tätigkeitsfeld reicht von Philosophie, politischer Philosophie und Iranistik über Kultur- und Zivilisationsforschung, Geschichte und Mystik bis hin zu Religionswissenschaft, persischer Sprache und Literatur, Kunst, Architektur und gesellschaftlichen Fragen. Diese thematische Breite zeigt, dass es nicht lediglich um die Durchführung einzelner kultureller Veranstaltungen geht. Vielmehr geht es um den Aufbau eines intellektuellen und kulturellen Ökosystems iranischer Prägung im Herzen Europas.
Von der Präsentation Irans zum Dialog über Iran
Eine Besonderheit dieses Ansatzes besteht darin, dass der Ausgangspunkt von der bloßen „Präsentation Irans in Europa“ hin zu einem Dialog mit Europa über Iran und über gemeinsame Fragen der Gegenwart erweitert wurde.
Iran wird dabei nicht ausschließlich als historisches oder politisches Thema verstanden, sondern auch als Gegenstand des Nachdenkens über Zivilisation, Rationalität, Religion, Ethik, Gerechtigkeit, Identität, Sprache, Kunst und die Zukunft des Menschen. Gleichzeitig wird die europäische Geistesgeschichte nicht lediglich als Publikum iranischer Kultur betrachtet, sondern als Teil eines wechselseitigen Dialogs mit den iranischen Denktraditionen.
Dieser Ansatz zeigt sich auch in der Auseinandersetzung mit den Beziehungen zwischen iranischer und österreichischer Geistesgeschichte. Die Tradition der iranischen Weisheit, die iranische und islamische Philosophie – von al-Farabi, Avicenna und Suhrawardi bis Mulla Sadra – wird dabei ebenso als Gesprächspartner verstanden wie die philosophische Tradition Österreichs, von Karl Popper und Ludwig Wittgenstein bis zum Wiener Kreis.
Eine Brücke zwischen akademischen Gemeinschaften in Iran und Europa
Eine der wichtigsten Entwicklungen dieser Zeit ist der Aufbau von Verbindungen zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Universitäten und Forschungseinrichtungen in Iran und Europa. Fachveranstaltungen mit Iranistinnen und Iranisten, Philosophinnen und Philosophen, Religionswissenschaftlerinnen und Religionswissenschaftlern sowie Universitätsprofessorinnen und -professoren aus Europa wurden mit der Beteiligung iranischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verbunden.
Die internationale Konferenz „Islamisch-iranische Zivilisation: Identität, Komponenten und historische Blüte“ im Februar 2026 war ein Beispiel für diesen Ansatz. Die zweitägige Konferenz behandelte unter anderem Fragen der Zivilisationsidentität, des Verhältnisses von Iran und Islam, der persischen Sprache, der Mystik, der Medizin, der Wirtschaft und der Rolle der Frauen in einem interdisziplinären Rahmen. Dabei wurde die Bedeutung wissenschaftlicher Eigenständigkeit und einer kontinuierlichen Zusammenarbeit zwischen iranischen und europäischen Forschenden hervorgehoben.
Der akademische Austausch beschränkt sich jedoch nicht auf die Iranistik. Die internationale Konferenz „The Future of the World and New Philosophical Problems“, die in Zusammenarbeit mit der Universität Tabriz veranstaltet wurde, brachte Denkerinnen und Denker aus unterschiedlichen Bereichen der zeitgenössischen Philosophie zusammen, darunter Slavoj Žižek, Frank Ruda, Jeremy Shearmur, Donald Gillies und Thomas Bauer. Diskutiert wurden unter anderem die ökologische Krise, künstliche Intelligenz, menschliche Handlungsfähigkeit, Würde, Gerechtigkeit und die Herausforderungen der neuen Welt.
Damit geht es nicht nur darum, iranisches Denken vorzustellen. Vielmehr soll iranisches Denken aktiv in den weltweiten Dialog über die Fragen des zeitgenössischen Menschen eingebracht werden.
Eine neue Betrachtung der Iranistik in Österreich
Zu den bedeutendsten Projekten dieser Zeit gehört die systematische Beschäftigung mit der Iranistik in Österreich selbst.
Die Veröffentlichung der „Iran-Bibliographie in Österreich: Eine Auswahlbibliographie (1987–2026)“, die erste spezialisierte Ausstellung iranistischer Bücher in Österreich mit nahezu 200 Werken, die Veröffentlichung der Broschüre „50 herausragende Bücher der Iranistik“ sowie die kritische Auseinandersetzung mit der Iranistik in der Publikation „Iranian Studies as ‘Technography’“ bilden zusammen eine Reihe miteinander verbundener Aktivitäten.
Dabei geht es nicht nur darum, bereits vorhandene Werke zu dokumentieren. Vielmehr wird eine grundlegendere Frage gestellt:
Wie sollte Iranistik heute Iran verstehen?
Diese Frage führt die Iranistik über eine rein philologische oder deskriptive Betrachtung hinaus. Geschichte, Philosophie, Religion, Gesellschaft, Kultur, Identität und die lebendige Erfahrung der Iranerinnen und Iraner sollen ebenfalls Teil des Verständnisses von Iran sein.
Gleichzeitig bedeutet dieser Ansatz keineswegs eine Geringschätzung der österreichischen Tradition der Iranistik. Im Gegenteil: In den Aktivitäten des Iranians Wisdom House wird wiederholt die wichtige Rolle österreichischer Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und Iranistinnen und Iranisten bei der Bewahrung und Weiterentwicklung dieses Wissens gewürdigt.
Die Würdigung des bedeutenden Iranisten Bert Fragner und die Einrichtung eines nach ihm benannten Preises sind ein Beispiel dafür. Der Bert Fragner Award verfolgt das Ziel, die Iranistik in Österreich und im deutschsprachigen Raum zu stärken und zu vertiefen sowie herausragende Arbeiten auf diesem Gebiet sichtbar zu machen.
In diesem Sinne soll die Beziehung zwischen Iran und Österreich im Bereich der Iranistik nicht lediglich als Verhältnis zwischen „Forschenden“ und einem „Forschungsgegenstand“ verstanden werden, sondern als Möglichkeit einer wissenschaftlichen Partnerschaft zwischen zwei Forschungstraditionen.
Eine wissenschaftliche Zeitschrift mit zivilisatorischer Perspektive
Ein weiterer Bestandteil dieses Projekts ist die Gründung des Civilisational Iranian Studies e-Journal. Die Zeitschrift ist peer-reviewed und Open Access und verfolgt einen zivilisationsgeschichtlichen und langfristigen Ansatz. Sie befasst sich unter anderem mit der Geschichte und Zivilisation Irans, Kultur und Identität, schiitischen Studien, Philosophie und Mystik, persischer Sprache und Literatur, dem kulturellen Erbe sowie dem zeitgenössischen Iran.
Veröffentlichungen über die Tradition der Iranistik in Österreich, die Theorie des Iran-Shahr, die Übertragung medizinischen Wissens vom antiken Iran in die islamische Epoche, iranische Geschichtsschreibung, Identität und Literatur sowie aktuelle Fragen des Iran zeigen, dass dieses Projekt auf die Entwicklung eines interdisziplinären Forschungsfeldes abzielt und nicht lediglich auf die publizistische Darstellung iranischer Kultur.
Philosophie, Religion und die Fragen des zeitgenössischen Menschen
Eine weitere Besonderheit der Arbeit des Iranians Wisdom House ist die Verbindung des iranischen geistigen Erbes mit den neuen Fragen des zeitgenössischen Menschen.
Bei Veranstaltungen zu künstlicher Intelligenz, Ethik und Demokratie wurden unter anderem Themen wie die Beeinflussung der öffentlichen Meinung, Desinformation, der Verlust menschlicher und bürgerlicher Handlungsfähigkeit sowie die Konzentration von Macht diskutiert.
Auch im Bereich des interreligiösen Dialogs geht der Ansatz über allgemeine und formelle Bekundungen hinaus und richtet den Blick auf konkrete ethische und menschliche Fragen. Die Veranstaltung „Twenty Critical Issues for Interfaith Dialogue“, Programme zum Verhältnis von Islam und Christentum sowie die Ausstellung „Paths of the Soul“, die den Pilgerweg Arba’in mit dem Jakobsweg Camino de Santiago in Beziehung setzte, sind Beispiele dafür.
Bei diesem letztgenannten Projekt wurden zwei unterschiedliche Pilgertraditionen unter Gesichtspunkten wie Spiritualität, Selbsterkenntnis, Sinnsuche und der Möglichkeit eines Dialogs zwischen Islam und Christentum miteinander in Beziehung gebracht.
Solche Veranstaltungen zeigen, dass Religion hier nicht ausschließlich als historisches Thema verstanden wird, sondern auch als eine wichtige Quelle von Sinn, Ethik und menschlichem Dialog in der heutigen Welt.
Von der Universität zur iranischen Gemeinschaft in Österreich
Diese Aktivitäten werden durch eine besondere Aufmerksamkeit für die iranische Gemeinschaft in Österreich ergänzt.
Die Veröffentlichung des Buches „Die iranische Gemeinschaft in Österreich“ und die Veranstaltung zu seiner Präsentation, Diskussion und kritischen Erörterung im September 2026 waren ein Versuch, die iranische Gemeinschaft in Österreich aus sozialer, kultureller und identitätsbezogener Perspektive zu betrachten.
Bei dieser Veranstaltung wurde die Bedeutung eines offenen Dialogs und der Beteiligung unterschiedlicher Sichtweisen hervorgehoben. Das Buch wurde als ein Beitrag zu einem besseren Verständnis der Potenziale, Herausforderungen und kulturellen Verbindungen der in Österreich lebenden Iranerinnen und Iraner vorgestellt.
Aus dieser Perspektive sind Iranerinnen und Iraner in Österreich nicht lediglich Adressaten kultureller Programme. Sie sind vielmehr Teil des menschlichen, wissenschaftlichen, medizinischen, kulturellen und gesellschaftlichen Kapitals sowohl Irans als auch Österreichs. Diese Gemeinschaft kann zwischen beiden Ländern nicht nur auf offizieller, sondern auch auf menschlicher und gesellschaftlicher Ebene eine verbindende Rolle spielen.
Kultur als gemeinsamer Raum
Neben den akademischen Programmen gehören auch Aktivitäten wie Persischunterricht, die Feier von Yalda, die Würdigung der Kunst von Meister Mahmoud Farshchian, Veranstaltungen zum iranischen Kulturerbe, Kunstausstellungen und dokumentarische Projekte zu den Aktivitäten des Iranians Wisdom House.
Sie zeigen, dass Kultur hier nicht ausschließlich als akademischer Vortrag verstanden wird. Sprache, Literatur, Kunst, historisches Gedächtnis, Traditionen und die gelebte Erfahrung der Iranerinnen und Iraner sind gleichermaßen Teil dieses kulturellen Verständnisses.
Gleichzeitig richten sich die kulturellen und wissenschaftlichen Aktivitäten des Hauses nicht ausschließlich an ein iranisches Publikum. Ein Teil der Veranstaltungen findet auf Englisch oder Deutsch statt, um auch europäischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie anderen Interessierten die Teilnahme zu ermöglichen.
In der offiziellen Darstellung des Hauses wird zudem betont, dass die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Forschenden und Studierenden unabhängig von Nationalität, Religion oder weltanschaulicher Orientierung offensteht und sich an den Grundsätzen wissenschaftlicher Ethik orientiert.
Publikationen: Dialog als bleibendes wissenschaftliches Erbe
Eine besondere Stärke dieses Ansatzes liegt in der Verbindung von Veranstaltung und wissenschaftlichem Ergebnis. Ein wissenschaftliches Gespräch soll nicht nach wenigen Stunden enden, sondern – wenn möglich – in einem Artikel, einem Buch, einer Übersetzung, einer Zeitschrift oder einem dauerhaft zugänglichen Forschungsdokument weiterleben.
Der wissenschaftliche Verlag UniDialogue in Wien wurde in diesem Zusammenhang als Plattform für entsprechende Publikationen aufgebaut. Er hat eine Reihe von Werken zu Philosophie, Iranistik, iranisch-islamischer Zivilisation, der iranischen Gemeinschaft in Österreich, persischer Sprache, interreligiösem Dialog und den philosophischen Fragen der zeitgenössischen Welt veröffentlicht.
Zu den auf der Website des Iranians Wisdom House aufgeführten Publikationen gehören unter anderem „Persian Language in Austria“, „Rethinking Iranian Civilization“, „Iranian Studies: Foundations, Coordinates, Approaches, and Challenges“, „The Iranian Community in Austria“, „Bridging Faiths: Islam and Christianity in Iran–Austria Cultural Relations“ sowie der Sammelband „The Future of the World and New Philosophical Problems“.
Auf diese Weise wird kulturelle Arbeit über die einzelne Veranstaltung hinaus zu einem Teil eines dauerhaften wissenschaftlichen und kulturellen Gedächtnisses.
Eine Erfahrung, die sich weiterentwickelt
Diese Erfahrung ist noch nicht abgeschlossen. Sie befindet sich weiterhin in einer Phase der Entwicklung. Die Aktivitäten der vergangenen mehr als zwei Jahre – von Iranistik und Philosophie über interreligiösen Dialog, persische Sprache und Kunst bis hin zur iranischen Gemeinschaft und neuen Fragen wie künstlicher Intelligenz – zeigen jedoch, dass sich zunehmend eine zusammenhängende Struktur herausbildet.
Diese Struktur basiert auf mehreren Grundsätzen: Wissenschaft und Dialog, Respekt vor Verschiedenheit, Offenheit für Kritik, Rationalität, Menschenwürde, Aufmerksamkeit für das zivilisatorische Erbe und aktiver Austausch mit der europäischen Wissenschafts- und Kulturlandschaft.
Aus dieser Perspektive kann das Iranians Wisdom House als ein sich entwickelndes Modell einer wissensbasierten Kulturdiplomatie verstanden werden. Eine Kulturdiplomatie, die Kultur nicht auf Veranstaltungen und die Präsentation von Symbolen reduziert, sondern durch Wissenschaft, Forschung, Publikationen, Sprache, Kunst, interreligiösen Dialog und die Verbindung mit der iranischen Gemeinschaft ein dauerhaftes Netzwerk menschlicher und intellektueller Beziehungen aufbauen möchte.
Vielleicht lässt sich der Kern dieser Erfahrung in einem Satz zusammenfassen:
Brücken bauen, nicht Mauern; Dialog ermöglichen, nicht ausschließen; verstehen, statt in Klischees zu denken; und Weisheit suchen, statt sich auf bloße Information zu beschränken.
Aus dieser Perspektive sind Iran und Europa keine voneinander getrennten Welten. Sie sind vielmehr zwei große Räume menschlicher Erfahrung, die durch Dialog einen Teil ihrer jeweiligen geistigen und ethischen Potenziale besser kennenlernen können.
Das Iranians Wisdom House in Wien möchte einer dieser Orte der Begegnung sein – ein Ort, an dem Iran nicht nur über seine Vergangenheit spricht, sondern gemeinsam mit der Welt über die Zukunft des Menschen nachdenkt und ins Gespräch kommt.
Für weitere Informationen über die Aktivitäten, Publikationen, wissenschaftlichen Projekte und Veranstaltungen des Iranians Wisdom House besuchen Sie bitte die Website des Hauses:
Iranians Wisdom House – Wien
Verbindungsbrücke und Zentrum für kulturelle Aktivitäten in Wien
Adresse: Jaurèsgasse 9, 1030 Wien, Austria